Provence: eine Suche nach blühenden Lavendelfeldern

Les Baux-de-Provence

Klimaanlage. Diesen Bestandteil eines jeden modernen Automobils weiß man spätestens dann zu schätzen, wenn man bei dreißig Grad in einem zwölf Jahre alten Corsa einsteigt (selbstredend ohne solchen Komfort).

Frankreich ist das Ziel an diesem dritten Juni – genauer: die Provence – noch genauer: Remoulins. Neun Stunden auf glühendem Polster haben wir vor uns. Aufgeteilt in zwei mehr oder minder gleichgroße Blöcke. Halbzeit wird – mit einer Übernachtung – in Beaune gefeiert. Ein Zwischenstopp, welcher für einen Kraftfahrzeuglenker meines Niveaus unabdingbar ist.

Avignon – Gemeinsamkeiten mit der ewigen Stadt

Starten möchte ich unseren kleinen Provence-Reisebericht in Avignon. Einer äußerst bedeutenden Kommune im Herzen der Provence. Ja, Avignon ist mit über neuzigtausend Einwohnern die größte Stadt des Départements Vaucluse und es gibt das weithin bekannte Festival d’Avignon, aber das alleine haut noch keinen vom Hocker. Jetzt kommt’s: Avignon war Papstsitz – von 1309 bis 1376. Klingt schon mal ganz cool. Das wahrhaft kuriose folgte aber erst nach 1376, denn bis 1414 waren sowohl Avignon als auch Rom Papstsitz. Und nein, Avignon war nicht nur die Sommerresidenz des römischen Papstes, es gab tatsächlich zwei konkurrierende Päpste.

Avingon hat also einen Papstpalast. Damit aber nicht genug der Sehenwürdigkeiten. Direkt neben dem Palast erhebt sich Rocher des Doms, ein hübscher Park mit schönen Ausblicken auf Stadt und Umgebung. Wer zum hinteren Ende des Parks gelangt, dessen Blick fällt unweigerlich auf das Wahrzeichen der Stadt. Die Pont d’Avignon oder auch formell: die Pont Saint-Bénézet. Eine Brücke, nein besser, die Ruine einer Brücken. Sagen wir einfach: eine halbe Brücke. Diese ist bereits ganz ansehnlich von hoch oben, vom anderen Flussufer, mit Papstpalast und Innenstadt im Rücken aber noch um einiges pittoresker.

Für Freunde gepflegter Schnitzarbeiten, können wir die Eingangstore der Basilique Saint-Pierre d’Avignon empfehlen. Einen Blick nach drinnen kann man sich dann natürlich auch noch gönnen. Wer dann immer noch Zeit hat, kann diese mit etwas Shopping füllen. Es gibt hier neben den üblichen Verdächtigen auch einige alternative und kreative kleinere Geschäfte. Für wen da jetzt nichts dabei war, der kann auch einfach nur durch die schönen Straßen der Altstadt flanieren.

Pont Saint-Bénézet oder auch Pont d’Avignon
Papstpalast zu Avignon
Gasse in Avignon
Shopping in Avignon
Basilique Saint-Pierre d’Avignon

Arles – inklusive Mini-Kolosseum

Wir sind alles andere als Kulturjäger. Was Arles an Überbleibseln aus der Römerzeit zu bieten hat, beeindruckt aber auch uns. Da wäre zunächst einmal das Amphitheater – Arènes d’Arles. Ein kleine Kolosseum wenn man so will. Fast zweitausend Jahre alt, wird es noch heute für Stierkämpfe, Theater- und Konzertveranstaltungen genutzt.

Von diesem Amphitheater zweigen diverse kleine und größere Gassen ab. Einige sind okay, andere ganz nett und eine besonders hübsch, die Rue Ernest Renan. Damit hört es jedoch nicht auf. Wer ein bisschen durch die Altstadt von Arles streunt, wird noch viele weitere kleine entdeckenswerte Gassen finden.

Zurück zum Amphitheater. Einen Steinwurf entfernt befindet sich romanisches Theater – das Théâtre antique d’Arles. Alles sauber eingezäunt mit offiziellem Eingang und so – wie es sich für Kulturschätze gehört. Wir waren nicht drin, können also nichts weiter berichten. Der Vollständigkeit halber muss es jedoch auch an dieser Stelle erwähnt werden.

Rue Ernest Renan
Amphitheater
Fondation Vincent van Gogh

Pont du Gard – ein Stück römische Geschichte

In direkter Nachbarschaft zu unserem Dreh- und Angelpunkt, dem Campingplatz La Sousta in Remoulins, befindet sich eine der TOP-Sehenswürdigkeiten der Provence. Die Pont du Gard, ein flussüberspannender Aquädukt aus der Römerzeit. Liest man online über die Pont du Gard überschlagen sich die Superlative förmlich und ja, es lohnt einen Besuch.

Die Pont du Gard ist teil einer fünfzig Kilometer langen, historischen Wasserleitung von Uzès nach Nîmes. Das Gefälle von einem Ende zum anderen beträgt nur 0,4%. Ein Nichts von einem Gefälle. Schlicht unvorstellbar bei den technischen Möglichkeiten, die es vor zweitausend Jahren gegeben haben muss. Die Brücke wurde über die Jahrhunderte teils stark verändert, so wurde die Verbreiterung, über welche man heute gehen kann, 1747 ergänzt. Das alles hat aber nicht verhindert, dass wir uns hier an einem UNESCO-Welterbe gesonnt haben.

Tipp: wer mit dem Auto kommt zahlt üppige Euros für Parkplatz und Besucherzentrum. Alternativ: Anreise zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das ist kostenlos und schont die Umwelt.

Gordes und Sénanque

Notre-Dame de Sénanque – ein Kloster dessen Geschichte zurückreicht bis ins Jahr 1148 und heute zu den beliebtestes Fotomotiven der provenzalischen Lavendelblüte zählt. So sieht derjenige, welcher sich auf eine Google-Bildersuche zu Sénanque begibt, dieses fast ausschließlich in Mitten von Lavendelfeldern. Blühenden Lavendelfeldern selbstverständlich. So viel zur Geschichte. So viel zur Theorie. So viel zu meiner Vorbereitung. Die harte Realität ist, dass wir zu früh sind, vermutlich einige Wochen zu früh. Blühen tut hier nix. Der Acker ist bestellt, der Lavendel gepflanzt, die Farbe lila fehlt den grünen Büschchen allerdings vollständig.

Um diese erste herbe Schlappe des Tages standesgemäß zu verdauen, machen wir uns auf den Weg nach Gordes. Wichtig zu erwähnen: klassifiziert als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Der Rest ist schnell zusammengefasst. Schöne Gässchen, hübsche Plätze, tolle Aussichten wohin man schaut. Definitiv einen Besuch wert.

Place Genty Pantaly in Gordes

Les Baux-de-Provence in den Apilles

Die Alpilles – die kleinen Alpen, erheben sich bereits in der Ferne als wir Arles gerade hinter uns gelassen haben. Das Flachland weicht schnell einer hübschen Hügellandschaft, mit ans Hochgebirge erinnernden Felsformationen. Unser Ziel ist Baux-de-Provence.

Die Straße schlängelt sich immer weiter den Berg hinauf. Die letzten Meter sind gesäumt von Parkplätzen. Mehr, deutlich mehr als die knapp dreihundertsechzig Einwohner starke Gemeinde unter normalen Umständen gebraucht hätte. Määäh total touristisch könnte man nörgeln. Ist es vermutlich auch. Ich betrachte es in diesem Fall einfach mal als Auszeichnung – Auszeichnung eines besonderen Ortes.

Wir haben Glück: der Run des Tages ist bereits vorbei. Ein Parkplatz in erster Reihe, ein kurzer Fußmarsch und schon stehen wir mitten in Baux-de-Provence. Vor unseren Füßen schlängeln sich hübsche, kleine Gässchen den Berg hinauf und über allem thront die Ruine des Château. Klar es gibt auch ein paar weitere Besucher und es gibt jede Menge Souveniershops, aber dieser Flecken ist einfach nur schön.

Wir bummeln durch die Gassen, langsam bergauf. Wo der Ort schließlich endet, befindet sich der Eingang zum Château des Baux de Provence. Das Château, einst eine der bedeutendsten Festungsanlagen Frankreichs, lässt den ehemaligen Glanz heute nur noch erahnen. Es Besuch lohnt sich jedoch allemal: teils abenteuerliches Klettern auf uralten Steinen, grandiose Aussichten auf das Baux Tal mit seinen Weinbergen und Olivenbäumen, vier riesige Belagerungsmaschinen vergangener Tage und immer wieder kleine Felder mit blühendem Lavendel.

Noch einen Klugscheißer zum Ende:
Baux-de-Provence gefällt nicht nur uns, es ist (ebenso wie Gordes) ganz und gar offiziell als eines der schönsten Dörfer Frankreichs klassifiziert.

Unsere Provence Reise endet

Wir hatten eine tolle Zeit in der Provence. Punkt. Aber, es gibt noch so viel zu entdecken. Und dann wäre da noch unsere Suche nach den blühenden Lavendelfeldern. Diese war leider nur bedingt von Erfolg gekrönt. Fazit: ein weiterer Besuch in der Provence lässt sich nicht vermeiden.

Pont du Gard

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