Grenzverkehr: unterwegs zwischen Belfast und Dublin

Schafe in den Mourne Mountains

„Summer of 2018 among warmest and driest on record“ titelte The Irish Times vor gut einem Monat. Ob das jetzt an der globalen Erderwärmung liegt, oder ob wir schlicht und einfach unverschämtes Glück hatten, wird nie geklärt werden können. Fakt ist, dass wir dabei waren, beim Rekordsommer 2018! Ich muss gestehen, dass das nun bereits einige Tage her ist und das Wetter zwischenzeitlich, sowohl in Irland als auch in Deutschland etwas abgekühlt ist. Ende Juni war das allerdings noch ganz anders.

Titanic in Belfast

Die Route der Titanic auf einer Schauwand in Belfast

Belfast – Titanic, Black Cab Tour und Co.

Die meisten Reisen nach Irland beginnen in Dublin. Wir sparen uns die irische Hauptstadt jedoch für das Ende unserer Reise auf und ziehen erstmal Richtung Norden, in die zweite Hauptstadt der Insel – Belfast. Für irische Verhältnisse ist Belfast mit seinen gut 280.000 Einwohnern eine echte Metropole, nach Dublin die zweitgrößte. Das versprach bereits von Anfang an jede Menge Entdeckerpotenzial. Wir wurden nicht enttäuscht.

Wir kommen just um die Mittagszeit im Zentrum an. Den Mietwagen brauchen wir hier nicht, denn Belfast kann man gut zu Fuß erkunden. Wir parken die Mühle also in der Nähe der Central Station und gehen zu Fuß am Lagan entlang Flussabwärts. Da unsere Mägen bereits knurren, fällt uns Holohan’s at the Barge direkt auf und wir checken für’s Mittagessen – Kabeljau, mit Kartoffeln und Erbsenpüree – auf dem schwimmende Restaurant ein. Holohan’s bietet eine hervorragende Grundlage für die kommende Black Taxi Tour und ist nur einen Steinwurf entfernt vom Startpunkt. Dieser ist Bittles Bar, dessen Gebäude stark an New York’s Flat Iron Building erinnert, aber deutlich besser zu Belfast passt.

Black Taxi Tour bedeutet: Rundfahrt in, wie sollte es anders sein, einem schwarzen Taxi. Im Optimalfall eines der originalen Black Cabs, welche man sonst auch als London kennt. Nach den ersten Metern auf Belfasts Straßen, stellt uns Fahrer John vor die Wahl, wir müssen zwischen zwei Tour-Varianten wählen. A. eine Tour mit Happy-End-Geschichten, oder B. genau das Gegenteil. Wir entscheiden uns für zweiteres und erfahren alles über die dunkle Vergangenheit Belfasts, sowie den bis heute anhaltenden Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Unzählige Wandbilder in ganz Belfast (Murals) erzählen diese blutige Geschichten. Diese findet man in Belfast überall. Eine Art Verzeichnis dieser Wandmalereien bietet belfast-murals.co.uk. Krass ist auch die Mauer, welche zwischen Shankill Road und Falls Road verläuft. Kein Mahnmal wie die Berliner Mauer, sondern lebendige Geschichte.

Natürlich haben wir die Stadt auch etwas zu Fuß erkundet. Besonders gefallen hat uns die majestätische University of Belfast und der dahinter gelegene botanische Garten mit dem Palm House. Für kulturelle Ansprüche gibt es weiterhin, in direkter Nachbarschaft, das Ulster Museum. Beides lässt sich luftig locker und fußläufig vom Rathaus aus erreichen. In die entgegengesetzte Richtung befindet sich das ebenfalls sehr sehenswerte Cathedral Quarter.

Universität von Belfast Eingangstor

The Palm House in Belfast

Murals in Belfast, fotografiert während unserer Rundreise

Mural in Belfast aufgenommen auf einer Black Taxi Tour

Mauer in Belfast - trennt Katholiken und Evangelen

Aufregende erste Stunden in Belfast. Am späten Nachmittag machen wir uns schließlich auf den Weg nach Holywood, wo wir die nächsten beiden Nächte (bei Tim im Gweebarra B&B) verbringen werden. Wer einen interessanten, zuweilen etwas verrückten, aber immer offenen und sehr herzlichen Menschen kennen lernen will, ist hier bestens untergebracht. Wir haben die Zeit dort sehr genossen.

Blick auf Belfast vom Hafen am Carrickfergus Castle

Hafen direkt am Carrickfergus Castle in Nordirland

Küste mit steilen Klippen in Nordirland

Causeway Coastal Route

Am zweiten „richtigen“ Tag unserer Reise, stand nun etwas Autofahren auf dem Programm. Die Causeway Coastal Route, welche passenderweise in Belfast beginnt. Küstenstraßen sind ja immer was ganz besonderes. Daher könnte man sagen: der Weg ist das Ziel. Dennoch haben wir uns einige Ziele gesteckt, und das gleich vornweg: nicht alles geschafft.

Erster, aber nicht sonderlich erwähnenswerter Stopp: Carrickfergus Castle. Also gleich weiter zum zweiten: die Carrick-a-Rede-Hängebrücke. Stolze acht Pfund kostet der Spaziergang zur Brücke sowie einmal über die Hängebrücke selbst zu schwanken. Die kleine Insel am anderen Ende bietet jedoch eine herrliche Sicht auf den Küstenabschnitt und die steilen Klippen des Festlands, welche wir sonst vermutlich nicht zu Gesicht bekommen hätten.

Ausgelassen haben wir den Klippenpfad „The Gobbins„. 15 Pfund p. P. erschienen uns dafür zu üppig. Lasst es uns wissen, falls wir uns irren.

Carrick-a-rede Hängebrücke in Nordirland

Küste von Nordirland, unterwegs auf der Coastal Road

Wackelige Hängebrücke über tosenden Wellen erlebt, weiter geht’s. Ab hinters Steuer, zurück auf die Küstenstraße. Quasi gleich nebenan führt eine weitere kleine Straße hinab zum Meer, genauer zum Ballintoy Harbour. Anhand meiner Bilder würde man meinen, dass dies der friedlichste, hübscheste, kleine Hafen in ganz Irland ist und sich nur selten ein Tourist hier her verirrt. Geheimtipp! Nein, nein, der kleine Parkplatz ist brechend voll. Das liegt daran, dass dieser Ort, wie so viele in Nordirland, als Drehort für Game of Thrones auserwählt wurde. Durchaus verständlich…

Blick auf Boote im Ballintoy Harbour

Game of Thrones am Ballintoy Harbour am Rande der Coastal Route

Der Ballintoy Harbour liegt am Rand der Coastal Road

Giant’s Causeway – der Damm der Riesen

Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu. Wir nähern uns dem Highlight der Küstenstraße – Giant’s Causeway. Die Uhrzeit ist optimal, denn um 18 Uhr schließt das Visitor Center. Denn der Schwabe weiß, ist das Visitor Center geschlossen, ist der Eintritt kostenlos. Schön ist auch, dass kein Bus mehr auf dem jetzt sehr großzügig wirkenden Parkplatz steht.

Es ist nur ein kurzer Fußmarsch, dann stehen wir schon mitten auf dem „Damm der Riesen“. Einem Haufen von 40.000, mehr oder weniger, gleichmäßig geformten Steinsäulen. Das ganze wirkt auf mich viel eher wie früh-zeitlich Kunst, als ein reines Naturprodukt. Seis drum. Gemäß Legenden wurde das Meisterwerk durch den Riesen Fionn mac Cumhaill geschaffen. Bewiesen ist natürlich nix und somit ist auch die Theorie, dass die Säulen vulkanischen Ursprungs sind, weiter im Rennen.

Giants Causeway in Nordirland

Giants Causeway in Nordirland

Pijona am Giants Causeway in Nordirland

Weg zum Giants Causeway vom Parkplatz aus

Die komplette Causeway Coastal Route schaffen wir an diesem Tag nicht mehr. Wir kommen noch bis zum Dunluce Castle, welches wir von außen bewundern (hat auch schon mal bessere Tage gesehen) und machen uns dann auf den Rückweg nach Belfast.

Der Rückweg nach Belfast bietet eine weitere fabelhafte Möglichkeit für einen Zwischenstopp. Mitten im Nirgendwo befindet sich die Bregagh Road – auch bekannt als The Dark Hedges und wiederum bekannt aus (wie könnte es anders sein), Game of Thrones. Diese Allee, gesäumt von gigantischen, verworrenen und verschlungenen Buchen solltet ihr euch definitiv nicht entgehen lassen.

Dunluce Castle in Nordirland

Dark Hedges - Bregagh Road in Nordirland

Dark Hedges - Bregagh Road in Nordirland

Carlingford – malerisch und typisch irisch

Einen Tag nach unserem Ausflug zu Giant’s Causeway und Co. zieht es uns zurück nach Irland. Zuvor möchten wir uns aber noch ein bisschen belfaster Geschichte zu Gemüte Führen. Die gibt’s im Titanic Museum. Da geht’s natürlich um das gleichnamige Schiff, welches in Belfast gebaut wurde und am 2. April 1912 zur ersten und einzigen Fahrt aufgebrochen war. Die Titanic ist logischerweise der bestimmende Faktor, aber auch Belfast und der traditionell starke Schiffsbau spielen eine Rolle. Alles in allem absolut gelungen und sehenswert, wenn auch kein Schnäppchen.

Einige Autostunden später haben wir die Großstadt Belfast gegen das tausend Einwohner kleine Carlingford ausgetauscht. Der Blick von der Promenade (an der wir parken) aus, geht auf den Carlingford Lough und das gegenüberliegende Nordirland mit den Mourne Mountains. Richtig, wir sind zurück in Irland, wenn auch knapp, denn nur wenige Kilometer weiter gibt es eine Fährverbindung zu den britischen Nachbarn. Diese werden wir auch noch nutzen, dazu später mehr.

Carlingford selbst ist für mich typisch irisch. Der Ortskern durchzogen mit vielen kleinen Straßen und Gassen. Diese sind eingerahmt von kleinen bunten Häusern. Es gibt handgemachtes, Mode, Eis und natürlich auch Pubs. Diese Pubs werden dann gegen Abend besonders wichtig, denn Carlingford ist das regionale Zentrum für Junggesellenabschiede.

Straße in Carlingford in Irland

Bunte Fassaden in Carlingford in Irland

Mourne Mountains – auf zum Slieve Binnian

Tag 5. Solange wir noch in Reichweite der Mourne Mountains sind, soll es unbedingt eine kleine Wanderung sein. Dazu haben wir uns bereits am Vortag eine Route ausgesucht. Die Tourist Office in Newcastle hat hierbei wertvolle Unterstützung geleistet. Unsere Wahl fällt auf die Route zum Slieve Binnian, der stolze 747 m hoch ist und damit nur knapp 100 m niedriger als der Slieve Donard, Nordirlands höchste Erhebung, in unmittelbarer Nachbarschaft.

Der Aufstieg ist anstrengend, die Wolken hängen tief, Nebel zieht über die noch feuchten Wiesen. Saftig grünes Gras für hungrige Schafe. Immer wieder reist der Himmel auf. So auch als wir den Gipfel erreichen. Ein überragendes 360° Panorama aufs Meer, Seen, die hügelige Umgebung, bis rüber nach Irland.

Kühe in den Mourne Mountains

Blick auf die Mourne Mountains in Nordirland

Schafe entspannen in Nordirland

Wander-Impression Mourne Mountains

Slieve Binnian Gipfel

Wandern in den Mourne Mountains in Nordirland

Schafe auf grünen Weiden in Irland

Newgrange und Knowth – fünftausend Jahre Mensch

Wir verlassen den Norden und machen uns auf den Weg nach Dublin. Da liegen einige Kulturschätze geradezu auf dem Weg. Nämlich die Weltkulturerbestätte Brú na Bóinne –
vierzig Kilometer vor den Toren der Stadt. Herzstücke dieser 3.000 bis 5.000 Jahre alten Anlage sind Knowth und Newgrange. 5.000 Jahre heißt älter als die verdammten Pyramiden von Gizeh, aber auch weitaus unspektakulärer. Zugang zu beiden Anlagen gibt’s nur mit geführten Touren. Es geht jeweils mit dem Bus vom Visitor Center aus los. Mit etwas Glück erwischt man einen Komiker auf dem Busfahrersitz.

Newgrange in Irland

Knowth in Irland

Dublin – einfach WOW

Endlich, zum Abschluss unserer Reise. Dublin. Die Hauptstadt, eine Großstadt, aber nicht wie London, Paris, Berlin und Co. Traditionell, kulturell, atmosphärisch genau unsere Kragenweite.

Da ist das – etwas touristische – aber einladende und charmante Stadtviertel Temple Bar mit Pubs und Livemusik. Da ist die Ha’penny Bridge, eine verdammt oft fotografierte Brücke und so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt. Da ist das Guinness Store House, Heimstätte des selbst in Kirchheim unter Teck ausgeschenkten Biers. Da ist das ehrwürdige Trinitiy College, an dem ehemals Oscar Wilde oder Jonathan Swift studierten und welches heute vor allem besucht wird um einen Blick in die alte Bibliothek und auf das Book of Kells zu werfen. Da ist National Gallery oder das National Museum of Ireland, für die großen Künste und ein paar Stücke irische Geschichte. Da ist die Grafton Street, die mit kleinen und größeren Geschäften zum Konsum anregt.

Und da sind St. Stephen’s Green oder der Merrion Square. Grüne Oasen. Der perfekte Platz für uns, die flut an Eindrücke zu verarbeiten.

National Gallery Dublin, Irland.

Unser Irland Reise in Kürze:

Tag 1
Flug: Stuttgart > Dublin
Übernachtung im Umland des Flughafens.

Tag 2
Dublin > Belfast
Erkunden des nordirischen Hauptstadt (Black Taxi Tour, University, Botanischer Garten inkl. Palm House, Rathaus und Titanic Museum).

Tag 3
Belfast > Causeway Coastal Route
Carrick-a-Rede-Hängebrücke, Giant’s Causeway, The Dark Hedges.

Tag 4
Belfast > Carlingford

Tag 5
Carlingford > Mourne Mountains > Carlingford

Tag 6
Carlingford > Brú na Bóinne > Dublin

Tag 7
Dublin

Tag 8
Rückflug: Dublin > Stuttgart

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