Edinburgh – ein Tag auf der Royal Mile

Ein Tag auf der Royal Mile in Edinburgh

Schottland befindet sich seit langem ganz weit oben auf meiner Bucket List. Mystische Seen, saftig grüne Berglandschaften, gigantische Klippen hoch über rauer See, Whisky, Nessie, Dudelsack und vieles weitere, klingt in meinen Ohren unglaublich verlockend. Generell ist es natürlich utopisch zu glauben, dass man alles sehenswerte während einer einzigen Reise abgrasen kann. Daher war ich auch super glücklich darüber, als sich die Möglichkeit, für einen Wochenendausflug in Schottlands Hauptstadt Edinburgh, eröffnete. Also rasch den Koffer, äh das Handgepäckstück 56x45x25 cm, sprich rechteckig, praktisch, gut, gepackt und ab an den Flughafen.

Kanone auf Edinburgh Castle mit schönem Blick über die Neustadt

Rasen nicht betreten im Edinburgh Castle im Edinburgh Castle

Edinburgh Castle – Kerker, Kanonen und bombastische Ausblicke

Das Edinburgh Castle befindet sich direkt am oberen Ende der Royal Mile, es ist also der optimale Start- oder Endpunkt einer jeden Tour durch die Altstadt. Während der großzügige Vorplatz und der Gang durchs erste Tor noch gratis sind, gibt es danach die erste ordentlich Rechnung des Tages. Gut 20,- € kostet der vollständig ausgewachsene Schlossbesucher.

Dafür gibt es aber auch unzählige tolle Ausblicke in alle vier Himmelsrichtungen – von den Ausläufern der Highlands im Norden, bis zur Nordseeküste östlich der Stadt. Wer sich nicht ausschließlich durch einen guten Blick von den Schlosszinnen begeistern lässt, kann unzählige kleine und größere Gebäude erkunden. Es gibt drei Museen, eine Kapelle, die Kerker des Schlosses und den Crown Room, in welchem – welch Überraschung – die schottischen Kronjuwelen untergebracht sind.

Camera Obscura Logo oben auf dem Dach

Know Your Farts ist ein lustiges Plakat

Camera Obscura Illusion mit Lichtpunkten

Camera Obscura groß und klein Illusion

Camera Obscura – auch für erwachsene Kinder

Sind wir hier richtig? Diese Frage stelle ich mir, als wir in der Schlange vor der Kasse stehen. Die beiden Familien mit ihren zwei und drei kleinen Kindern bringen mich ins grübeln. Die sind doch höchstens fünf Jahre alt. Sind wir hierfür vielleicht bereits etwas zu alt? Lange bleibt mir nicht für meine Grübeleien, denn schon sind wir an der Reihe. Los geht’s.

Gut zwei Stunden später stehen wir wieder vor der Tür und zwar in bester Laune. Camera Obscura ist definitiv auch für uns erwachsene Kinder geeignet. Die eigentliche Camera Obscura (lat. camera = Kammer; obscura = dunkel) befindet sich im obersten Stockwerk. Insbesondere bei blauem, wolkenlosem Himmel ist dies sicher ein Erlebnis. Wir hatten leider einen etwas wolkigeren Zeitpunkt erwischt. Ich möchte nicht zu viel verraten. Schaut’s euch selber an.

The Scotch Whisky Experience in Edinburgh

The Scotch Whisky Experience Tasting im Raum der größen Scotch Sammlung

The Scotch Whisky Experience – schottische Kultur für den Gaumen

Dreitausenddreihundertvierundachtzig (3.384). So viele Flaschen Scotch Whisky finden sich im Raum der Wünsche – zumindest meiner Wünsche – bei The Scotch Whisky Experience. Die einzigartige Sammlung ist der krönende Abschluss unserer 50-minütigen (Silver) Tour und die perfekte Kulisse um einen Scotch zu genießen. Zuvor haben wir bereits alles über die Herstellung von Scotch sowie die Besonderheiten und Einflüsse der fünf Whisky-Regionen Schottlands erfahren. Jetzt – als semi Profi – werde ich mir auch bald eine eigene Sammlung zulegen.

Das Fass ist eine wichtigere Erfindung als das Rad, denn in einem Rad kann man keinen Whisky reifen.
– Jim McEwan, Brennmeister der Brennerei Bruichladdich

Bunte Häuser auf der Victoria Street im Herzen der Altstadt von Edinburgh

Zauberstäbe von Harry Potter und Co.

Mittagspause: Victoria Street und Hula Juice Bar

Edinburghs Old Town hat unzählige schöne Ecken, Gassen und Straßen. Eine der besonders schönen ist die Victoria Street. Es ist bereits Mittagszeit als wir an ihren bunten Fassaden entlang schlendern. Hinter den Schaufenstern sehen wir Herren- und Damenmode, Käse, Schmuck, Kerzen und… Zauberstäbe. Ja Zauberstäbe und so ziemlich alles andere was es an Harry Potter Schnick Schnack zu kaufen gibt. Zauberstäbe gibt’s also nicht bei Ollivander in der Winkelgasse sondern bei: Museum Context, 40 Victoria St, Edinburgh.

Wer seinen Zauberstab gekauft, aber noch nicht genug Erfahrung hat sich selbst ein Butterbier mit Schnitzel zu hexen, kann stattdessen bei der Hula Juice Bar & Gallery einkehren. Es gibt jede Menge gesunden Kram, angefangen bei leckere Suppen und Sandwiches bis hin zu kreativen Gemüse- und Salat-Schüssel-Kombinationen. Frühstück haben wir nicht probiert (gab’s ja for free im Hotel), soll aber ebenfalls sehr empfehlenswert sein. Typisch Schottische Gerichte á la Haggis sucht man hier jedoch vergeblich.

The Elephant House soll der Geburtsort von Harry Potter sein

Greyfriars Bobby ist eine Hundestatue

Greyfriars Kirkyard mit Greyfriars Kirk im Hintergrund

Etwas abseits – The Elephant House, Greyfriars Bobby and Kirkyard

Was wäre das Leben ohne seine hübschen kleinen Geschichten und Legenden? Ebenso eine Legende rankt sich um Grayfriars Bobby – einen kleinen Skye Terrier. Nach dem Tod seines Herrchens, dem Polizisten John Gray 1858, soll Bobby 14 Jahre (und damit sein komplettes restliches Leben) am Grab seines Herrchens verbracht haben. Das nenne ich Treue. Eben für diese Treue hat sich der kleine Fiffi eine eigene Statue verdient. Besonder auffällig ist dessen goldgescheuerte Nase, das Reiben eben jener bringt schließlich Glück.

Ein paar Schritte weiter befinden sich Greyfriars Kirk und der zugehörige Kirkyard. Greyfriars Kirkyard – dieser Friedhof ist etwas ganz besonderes. Denn, Applaus Applaus, hier ruht Lord Voldemort, oder bürgerlich Tom Riddle. Er lebte und starb wohl bereits im 16 Jahrhundert und hieß Thomas Riddell. Er hatte also nichts mit Harry Potter zu tun, J. K. Rowling hat sich lediglich durch seinen Grabstein inspirieren lassen. Die Gute ging hier gerne spazieren, auf der Suche nach neuen Figuren. Geschrieben wurde dann, nur einen Katzsprung entfernt, im Café the elephant house.

St. Giles ist die Hauptkirche von Edinburgh

Die Old Fishmarket Close ist eine der vielen historischen Gassen

Zurück auf der Royal Mile – die St. Giles Cathedral

Unsere nächstes Ziel ist die St. Giles Cathedral. Sie liegt wieder direkt an der Royal Mile, ist die Hauptkirche Edinburghs und als solche eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. So genug aus dem Reiseführer vorgelesen. Jetzt ein wenig eigene Meinung. St. Giles macht sowohl von außen als auch von innen einen äußerst imposanten Eindruck. Mir hat besonders die strahlend blaue Decke gefallen.

The Real Mary King's Close auf der Royal Mile

The Mary Kings Close – verborgene Gassen Edinburghs

„No photos“ war die Ansage und ich habe mich brav dran gehalten – typisch deutsch. Daher gibt’s hier auch keine Bilder von der historischen Mary King’s Close. Erzählen möchte ich dennoch ein wenig über diese – mittlerweile unterirdische – Gasse.

Stilecht werden wir von unserer Führerin – im mittelalterlichen Gewand – empfangen. Storytelling in Perfektion! Ein paar Instruktionen und weitere Regeln, dann steigen wir hinab. Hinab in eine „Stadt unter der Stadt“. Wer sich hier nicht auskennt, verirrt sich. Es ist feucht, dunkel, kalt und muffig. Die perfekte Bühne für Gruselgeschichten. Es sind die Geschichten vom Leben der Ärmsten, des rauen Alltags einer mittelalterlichen Großstadt und von der Pest.

Häuserzug an der Royal Mile

Christmas Shop Teil 2 auf der Royal Mile

Christmas Shop Teil 1 auf der Royal Mile

Christmas Shops – so kurz vor Ostern

Wir laufen weiter bergab auf der Royal Mile. Der Trubel wird weniger, die Gehwege schmaler, die Geschäfte kurioser. Ok, ok, der Harry-Potter-Zauberstäbe-Laden ist schwer zu toppen. Gleich zwei Christmas Shops hätte ich jedoch beim besten Willen nicht erwartet. Genau die befinden hier sich in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander und das kurz vor Ostern. Augenscheinlich handelt es sich auch nicht um Pop-up-Stores die vergessen haben zu schließen. Edinburgh hat jede Menge Überraschungen auf Lager.

Die Royal Mile wird hier immer unscheinbarer. Wer jedoch eine politische Karriere anstrebt oder total auf die Geschichten der Royals steht, sollte jetzt auf keinen Fall umdrehen. Ganz am Ende der Straße warten das Parliament Building und das Holyroodhouse. Letzteres ist die offizielle Residenz von Queen Elizabeth II., welche sich mindestens einmal pro Jahr hier blicken lässt.

Blick vom Calton Hill im Vordergrund ist das Dugald Stewart Momument

Nelson und National Monuments auf dem Calton Hill

Stadt der schönen Ausblicke – der Calton Hill

Der Mittag neigt sich dem Ende zu. Wir verlassen die Royal Mile und die Altstadt von Edinburgh – vorerst. Es wird Zeit für ein Panorama der Stadt. Der Calton Hill ist hierfür der optimale Fleck. Keine Tageswanderung, keine Bus- oder Taxifahrt. Wir erreichen den „Gipfel“ bequem zu Fuß und ohne einen Tropfen Schweiß. Absolut empfehlenswert.

Deacon Brodies Tavern ist ein Restaurant und Pub in Edinburgh

Haggis und Bier und Musik

Den perfekte Abschluss eines aufregenden Tages in Edinburgh muss jeder selbst finden. Für uns bestand dieser aus einer kulinarischen und musikalischen Note.

Schottland rangiert, nach wie vor, weit ob auf meiner Bucket List und auch Edinburgh wird mich wieder sehen – definitiv. Diese Stadt hat so viel mehr zu bieten als man an einem Tag oder einem Wochenende erleben kann.

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