Arbeiten um zu Reisen – work to stay die Erste

Wasserspiele in der Sonne am Sun Lotus Guesthouse

Die ersten Wochen des Travel-Teils meines Work & Travel enden. Die letzten Tage war ich auf der kleinen, schönen und einsamen Insel Denman Island (hier der ausführliche Bericht: Vancouver Island Rundreise – Teil II). Jetzt bin ich auf dem Weg. Es geht von Denman Island mit Fähre und Bus nach Duncan. Dort holt mich Paul, an der Greyhound Station, in einem alten roten Jeep Cherokee ab. Die nächsten Wochen werde ich bei Paul, Anita (seiner Partnerin) und deren Tochter Ginger verbringen. Das Sun Lotus Guesthouse ist kein Gästehaus wie der Name vermuten lässt. Es ist Location für Veranstaltungen aller Art, in der Vielzahl Hochzeiten.

Blick auf das Sun Lotus Guest House in Duncan

Blick vom Balkon auf den See

Als Paul und ich auf den großzügigen Hof fahren, gibt es erstmal die große Begrüßung. Neben den beiden bereits genannten Anita und Ginger, sind Stuart und Fiona aus England, Nicola aus Frankreich und Peja aus Vancouver die aktuellen Bewohner hier. Peja ist ein Freund der Familie. Alle anderen sind, ebenso wie ich, nur für eine begrenzte Zeit von einigen Wochen hier beschäftigt.

Das Modell ist: unsere Arbeitskraft gegen Unterkunft und Essen. Gefunden habe ich das ganze unter workaway.info. Natürlich gibt es auch andere alternativen, wie z. B. das WWOOFing (World-Wide Opportunities on Organic Farms) oder man sucht sich einfach gleich einen richtigen Job. Mit dem Working-Holiday-Visa besitzt man ja bereits eine Arbeitserlaubnis.

Ersten Tage in Duncan

Die erste Nacht im neuen Zuhause war zum abgewöhnen. Nicola und ich schlafen in einem umgebauten ungeheizten Schulbus. Der sieht cool aus, ist aber schweinekalt. Mein relativ dünner Schlafsack und drei dicke Decken, helfen mir kaum die Nacht zu überstehen. Deshalb noch einen Pulli und eine lange Hose dazu und es ist kuschlig warm. Nach dem Frühstück um 10 Uhr geht’s los, mein erster „Arbeitstag“. Den Vormittag über streiche ich ein kleines Gästezimmer im Haus. Nach dem super leckeren Lunch, bekommt es dann einen zweiten Anstrich. Das nenne ich eine befriedigende Beschäftigung. Nach dem ebenfalls ganz famosen Abendessen spielen wir dann bis spät abends Karten.

In dem roten Bus habe ich geschlafen im Sun Lotus Guesthouse

Die zwei Katzen haben meistens bei mir geschlafen im roten Bus

Die nächste Nacht und auch die darauf folgenden Nächte sind genauso kalt wie die erste. Jedoch bekomme ich etwas Gesellschaft. Mit den beiden schläft es sich gleich viel besser. Auf kalte Nächte folgen ereignisreiche Tage. Die nächsten fliegen nur so vorbei. Es gibt immer was zu tun auf dem Grundstück. Ich beginne Azubi-mäßig mit Holzklötzchen schleifen, Ordnung schaffen und Müll sortieren. Davon gibt es jede Menge, schön versteckt im Hauseigenen Wald. Das da nicht schon vor Jahren jemand auf die Idee gekommen ist, mit der Entsorgung zu starten. Zweite Stufe der Ausbildung sind dann Gartenarbeiten, (dabei helfen) Möbelstücke bauen und weitere Malertätigkeiten.

Die Abende sind dann meist gemütlich und lustig. Wir schauen uns Filme an (z. B. Goodbye Lenin, auf Deutsch mit englischem Untertitel), genehmigen uns eine Runde in der eigenen Sauna oder fahren nach Duncan oder Victoria zum Essen und Bierchen trinken. Diese schönen Abende, gepaart mit erfüllenden Arbeitstagen und lieben Menschen um mich herum, führen dazu, dass ich mich endlich komplett angekommen fühle, in Kanada. Mein Englisch ist noch holperig, aber ich lerne jeden Tag dazu. Es hilft ungemein, nur in Englisch kommunizieren zu können. Das einzige Deutsch was mir bleibt sind die Posts auf meinem Blog und die E-Mails mit Freunden und Familie.

Mittlerweile ist der 15.04.2011. Ich bin seit über einem Monat in Kanada und genieße dieses sorgenfreie Leben in vollen Zügen. Den gestrigen Tag waren wir damit beschäftigt das „Studio“ herauszuputzen, für einen ganz besondere Veranstaltung. Heute wird hier ein Burlesque-Ensemble feiern. Davon gibt es natürlich keine Bilder!

Das Studio vom Sun Lotus Guesthouse

Holzarbeiten mit der Kettensäge im Sun Lotus Guesthouse

Peja und Jonas relaxen im Sun Lotus Guesthouse

Radtour zum Cowichan River

Am nächsten Tag ist Sonntag und damit der Tag der Woche an dem es null, zero, niente zu tun gibt. Perfekt für einen Ausflug. Peja, Fiona und ich satteln die Räder und machen uns auf zum Cowichan River. Es ist nahezu perfektes Wetter. Die Sonne scheint satt und nur hin und wieder geht ein kalter Windhauch. Wir finden einen Zugang zum Fluss, lassen die Räder im Gebüsch stehen und suchen uns ein gemütliches Plätzchen direkt am Fluss.

Zum Baden im Wasser ist es viel zu kalt, zum Sonnenbaden reicht es allemal. Die Zeit vergeht wie im Flug und irgendwann müssen wir uns wieder auf den Rückweg zum Guesthouse machen. Da wir für den Rückweg einige Höhenmeter (nach oben) zurücklegen müssen, bin ich nach der Fahrradtour hundemüde. Also erstmal ein Mittagsschlaf bevor wir uns bis um 5 Uhr die Nacht um die Ohren schlagen. Die Partys hier sind amtlich.

Peja und Fiona planen am Ufer des Cowichan River

Jonas hört Musik am Cowichan River

Frosch schaut aus dem Wasser am Cowichan River

Nicolas ist bereits abgereist und auch für Stuart geht es zurück nach Vancouver. Um 10 Uhr verlässte er uns Richtung Nanaimo, auf seinem Fahrrad. Ich bin traurig dass er geht, bin mir aber gleichzeitig sicher, dass wir uns bald wiedersehen werden. Noch am selben Nachmittag ziehen dicke, schwarze Wolken auf und ich hoffe Stuart hat es rechtzeitig ins Trockene geschafft bevor es losgeht. Regen, jede Menge Regen und wenig später bricht sogar ein Graupelschauer über uns herein. Richtig gemütlich, dass ganze von Innen zu beobachten. Verrückt, wenn man bedenkt, dass den ganzen Vormittag über schönster Sonnenschein gewesen war. April eben.

Alles nur keine Alltagsroutine

Du machst hier keine zwei Tage die gleiche Arbeit. Jeden Tag neue Projekte. So wird’s nicht langweilig im Sun Lotus. Das neueste Projekt ist ein Kanal vom Wohnhaus bis zum um ein neues Stromkabel zu verlegen. Wir heben also einen Graben aus. Natürlich mit Bagger, was das ganze erheblich vereinfacht. Dumm nur, dass der Rasen danach im Eimer ist und zwar richtig. Den ganzen Tag über folgt mir Daisy, der „Hofhund“, auf Schritt und Tritt. Sie scheint jede Sekunde damit zu rechnen, dass ich ihr einen Stein oder einen Tannenzapfen zuwerfe. Ihre ganz besondere Liebe gilt allerdings Golfbällen.

24.04.2011 – Frohe Ostern allerseits. Um kurz vor elf geh ich mit Paul und Ginger zum “easter egg hunting” bei der örtlichen Feuerwache. Dort treffen sich haufenweise Nachbarn mit ihren Kindern um auf die Jagd nach Eiern zu gehen. Ginger ist sehr zurückhaltend, jagt aber letztlich doch ganz erfolgreich ein paar Schoko-Eier. Und wenn wir schon mal da sind, holt Paul sich gleich noch eine „fire permit“, damit wir Müllholz verbrennen können ohne dass die Feuerwehr gleich ausrückt.

Schlechtes Wetter, Graupel

 

Es gibt Pizza mit extra viel Belag im Sun Lotus Guesthouse

Bagger zerstört Garten im Sun Lotus Guesthouse

Hot Yoga und neuer Rasen

Wenige Tage später steht die erste „Hot Yoga“ Session meines Lebens auf dem Programm. Anita nimmt mich dazu mit nach Duncan. Man muss dazu sagen, dass ich über keinerlei Erfahrung mit Yoga verfüge und schon gar nicht mit Hot Yoga. 90 Minuten später bin ich schlauer und kurz vor dem Zusammenbruch. 90 Minuten Yoga bei 40 Grad Raumtemperatur.  War für mich verdammt anstregend, ich fühle mich aber wie neu geboren.

Zeitgleich beginnen die Sanierungsarbeiten zum Rasen. Nachdem der Bagger gewütet hat, ist viel weitere Arbeit entstanden und ich kann meinen erworbenen Skills einen neuen hinzufügen: Rollrasen verlegen. Es ist total anstregend, aber wir haben grandioses Wetter und haben viel Spaß. Nach Nicolas und Stuart verlässt uns nun auch Fiona. In einigen Tagen sollen aber bereits vier Neue kommen. Drei davon aus England und eine Kanadierin aus Toronto.

Neuer Rasen wird verlegt im Sun Lotus Guesthouse

Neuer Rasen wird verlegt im Sun Lotus Guesthouse

Neuer Rasen wird verlegt im Sun Lotus Guesthouse in Duncan

Hund starrt auf Ball im Sun Lotus Guesthouse

Jonas rollte den Rasen im Sun Lotus Guesthouse

Neues Personal im Guesthouse

Es ist mittlerweile Mai. Ich bin seit fast zwei Monaten in Kanada und in meiner vierten Woche im Sun Lotus Guesthouse. Mit Anna aus Toronto, Fabia, Ben (Fabia und Ben sind ein Paar) und deren Freund Todd aus England ziehen neue, coole Menschen ein. Nach einigen ruhigen Tagen, ist jetzt wieder richtig was los. Leider müssen wir uns von Fiona verabschieden.

Sie nimmt den Greyhound Bus nach Port Hardy ganz in den Norden von Vancouver Island um von dort aus weiter zu einem abgelegenen Gasthaus zu reisen. Einem der weltweit besten Orte zum Grizzlybären schauen, sagt sie mir. Während Fiona aufbricht, fängt für uns anderen der Arbeitstag an. Es gilt einen Haufen „Müllholz“ zu verbrennen. Wofür haben wir schließlich die Fire Permit. Dazu gibt’s zwei Feuerstellen wo wir all das Holz hinschaffen müssen. Sehr anstrengend und ermüdend, aber jeder weiß was er zu tun hat und wir sind den ganzen Tag beschäftigt.

Mit Zweirad zum Lake Cowichan

Auch an den kommenden Tagen ist immer etwas geboten. Abwechslungsreiche Arbeit und abwechslungsreiche Abendgestaltung. Es gibt gemütliche Runden bei Bier, Schwitzezeit in der Saune, Movie Night’s und Stockbrot am Lagerfeuer. Ich (als bis dato nicht-Fisch-Esser) habe erste positive Erfahrungen mit selbst geräuchertem Lachs.

Die freien Tage verbringen wir gerne im Sattel. Nach River Cowichan ist nun der Lake Cowichan dran. Peja, Todd, Ben und ich machen uns auf den 20 km langen Weg. Wir relaxen ein bisschen am See und essen im Cow Cafe außerordentlich gute Burger. So kann sich der Sonntag sehen lassen.

Katzen beim Dinner im Sun Lotus Guesthouse

Die Mannschaft im Sun Lotus Guesthouse

Zwischenstopp bei der Radtour zum Lake Cowichan

Fahrradtour zum Lake Cowichan nahe Duncan

Abschied ist immer schwer – ich verlasse das Sun Lotus

Der 10. Mai ist nicht nur mein fünft-letzter Tag, es startet ein neues ehrgeiziges Projekt. Mit auf dem Grundstück des Sun Lotus befindet sich noch ein zweites Haus. In dieses wollen Pauls Eltern in 2 Monaten einziehen. Nur leider sieht das Haus gar nicht so aus als würde hier gerne jemand wohnen. Es gibt einiges zu tun.

Erster Schritt: alle Wände im ersten Stock müssen raus. Das wird unser Job für die nächsten Tage sein und der macht richtig Laune. Bereits einen Tag später stehen nur noch einige wenige Balken. Man kann den Blick unbegrenzt vom Wohnzimmer, durch die Küche ins Schlafzimmer und Bad schweifen lassen. Wir haben ganze Arbeit geleistet. Eine kleine Katastrophe gab es allerdings auch. Beim entfernen der letzten Balken trifft Peja versehentlich eine Wasserleitung und wir haben eine mittelgroße Überschwemmung bevor jemand den Haupthahn findet.

Dann ist der unvermeidliche letzte Tag gekommen. Es ist großer Partytag. Es ist Gingers Geburtstag, Pauls Eltern werden willkommen geheißen, es ist Season Opening fürs Sun Lotus und abends dann noch eine Abschiedsparty für mich. Den ganzen Vormittag sind wir beschäftigt alles vorzubereiten. Lauter leckeres Essen von Eis über Grillwürste bis Popcorn, Kinderspiele und Musik. Bevor die Party startet nimmt Paul uns alle mit auf den Mount Provost. Grandioser letzter Ausblick auf Duncan und die letzten tollen Wochen.

Blick auf meine Füße auf dem Mount Prevost

Lichteffekte im Sun Lotus Guesthouse

Haben euch Bilder und Texte gefallen? Dann lasst euer Feedback da. Ich freu mich drauf.

Jonas_signature

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